JENA / NÜRNBERG

MANİFEST(O)

Rituale erzählen das Leben, erzählen den Tod. Rituale sind Beginn und Abschied und beides zugleich. Rituale durchbrechen das Alltägliche, machen Unsichtbares sichtbar, können soziale Ordnungen wiederherstellen, nach Krisen, nach Katastrophen Wunden heilen und aufs Neue aufbrechen. Rituale sind Küsse, sind Bisse. Rituale sind Reinigung, Verwirrung, Provokation. Rituale können Klage führen, nach Rache und Vergeltung rufen, die Liebe besingen, um Vergebung bitten, das Erinnern erinnern, das Vergessen vergessen machen.

In einer Gesellschaft, die sich so rasant wandelt, die so divers ist, wie Menschen es sich nur wünschen können, ist es notwendig, neue Rituale zu erfinden und sie zu vergessen, zu erfinden, zu vergessen.

Um unseretwillen.

 

https://youtu.be/3zUSiM-Vhic

 

In Jena und Nürnberg spielen die Jenaer Philharmoniker gemeinsam mit Fanny Sel Baute, Naz Yilmaz, Iva Bittová, Andreas Fischer, Katia Guedes, Meinrad Kneer, Johanna Krödel, Saša Mirković, Johanna Vargas, Jenaer Philharmonie, AuditivVokal Dresden, Knabenchor der Jenaer Philharmonie unter der Leitung von Simon Gaudenz

 

In Gedenken an Enver Şimşek

Kassel

DIE ABWESENHEIT GOTTES / TANRI’NIN YOKLUĞU

Ritual des Verlusts

 

https://youtu.be/jEpJcyfMSAg

https://youtu.be/3zUSiM-Vhic?t=508

In Kassel konnten Besucher:innen in einer interaktiven Installation die Orgel der Martinskirche zum klingen bringen.

In Gedenken an Halit Yozgat.

 

Hamburg / Chemnitz

BLINDE LIEBE / KÖR AŞK

Ritual der Trauer

https://youtu.be/ZJSbso7Vj1k

 

https://youtu.be/3zUSiM-Vhic?t=1457

 

In Hamburg und Chemnitz spielten Derya Yıldırım, Greta Eacott und Tobias Levin

In Gedenken an Süleyman Taşköprü.

Rostock

DIE ANWESENHEIT DES MENSCHEN / İNTİKAM SUNAĞI

 

Ritual der Rebellion

 

https://youtu.be/3zUSiM-Vhic?t=1913

 

https://youtu.be/DhU7TkvzK8w

In Rostock spielten Jugendliche mit dem Schlagzeuger Daniel Eichholz und dem Multiinstrumentalisten Christian Kuzio.

In Gedenken an Mehmet Turgut.

 

 

Hamburg, München, Heilbronn, Nürnberg, Jena, Chemnitz, Eisenach, Plauen

 

DER ALTAR DER RACHE / İNTIKAM SUNAĞI

 

Ritual der Reinigung

 

https://youtu.be/6dVaZoaYwmA

 

https://youtu.be/3zUSiM-Vhic?t=2735

 

 

In Hamburg, München, Heilbronn, Nürnberg, Jena, Chemnitz, Eisenach und Plauen spielten Jelena Kuljić, Mateja Meded, Mirko Borscht und Volkan T

In Gedenken an Abdurrahim Özüdoğru und Michèle Kiesewetter.

 

 

Heilbronn, München, Zwickau

GLÜHENDER HASS / YANAN NEFRET

Ritual der Vergeltung

https://youtu.be/3zUSiM-Vhic?t=3209

 

https://youtu.be/QuJRlJrjX_Q

 

In Heilbronn, München, Zwickau spielte Oğuz Büyükberber

In Erinnerung an Habil Kılıç.

Nürnberg, Heilbronn, München, Rudolstadt, Kassel, Dortmund

GLEISSENDES LICHT / PARLAYAN NUR

 

Ritual der Reinigung

 

https://youtu.be/cWKEFYH0pBw

 

https://youtu.be/3zUSiM-Vhic?t=4785

In Nürnberg, Heilbronn, München, Rudolstadt, Kassel, Dortmund spielte Emre Elivar

In Erinnerung an Theodoros Boulgarides.

 

 

Köln, Dortmund, Nürnberg

 

DER CHOR DER VERGEBUNG / AFFETME KOROSU

 

Ritual der Vergebung

 

https://youtu.be/NCjsUDqhIi8

 

https://youtu.be/3zUSiM-Vhic?t=6734

 

 

In Köln, Dortmund, Nürnberg sangen Laienchöre aus den jeweiligen Städten.

In Erinnerung an Mehmet Kubaşık und İsmail Yaşar.

MANİFEST(O) entstand im Auftrag des Licht ins Dunkel e.V. als Beitrag zu dem bundesweiten Theaterprojekt Kein Schlussstrich!, in dessen Rahmen vom 21. Oktober bis 7. November 2021 in 15 deutschen Städten künstlerische und zivilgesellschaftliche Interventionen zum NSU-Komplex stattfanden.

 

Weitere Informationen unter: https://kein-schlussstrich.de/

MANİFEST(O) wird produziert durch die YMUSIC GmbH, Berlin.

Enver Şimşek

(geb. 1961) war das erste Opfer des sog. NSU. Der 38-jährige Vater von zwei Kindern wurde am 9. September 2000 vor seinem Blumenstand in Nürnberg mit acht Schüssen aus zwei verschiedenen Waffen niedergeschossen und starb zwei Tage später im Krankenhaus.

Süleyman Taşköprü

(geb. 1970) wurde nur 31 Jahre alt. Als Kind kam er aus der Türkei nach Deutschland. Er übernahm wenige Monate vor seiner Ermordung den Lebensmittelladen seines Vaters in Hamburg Bahrenfeld. Am 27. Juni 2001 wurde der Vater einer Tochter dort erschossen.

Mehmet Kubaşık

(geb. 1966) floh als alevitischer Kurde mit Frau und Tochter 1991 aus der Türkei nach Deutschland und erhielt politisches Asyl. Seine Söhne kamen in Deutschland zur Welt, 2003 nahm die Familie die deutsche Staatsbürgerschaft an. Er machte sich mit einem Kiosk in Dortmund selbständig, wo er am 4. April 2006 erschossen wurde.

Theodoros Boulgarides

(geb. 1964) kam mit seiner Familie 1973 aus Griechenland nach München. Nach Abitur und Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann arbeitete er bei Siemens und Deutscher Bahn und machte sich später mit einem Schlüsseldienst selbstständig. Am 15. Juni 2005 wurde er in seinem Laden erschossen. Er hinterließ seine Frau und zwei Kinder.

Michèle Kiesewetter

(geb. 1984) wuchs in Thüringen auf. Sie kam zur Ausbildung nach Baden-Württemberg, die sie mit 19 Jahren als Polizistin abschloss. Sie wurde am 25. April 2007 in Heilbronn erschossen und ist das letzte bislang bekannte NSU-Opfer. Die 22-Jährige war mit einem Kollegen im Einsatz, der lebensgefährlich verletzt wurde, aber überlebte. Die Dienstwaffen beider Polizisten wurden später bei Mundlos und Böhnhardt in Eisenach gefunden.

Abdurrahim Özüdoğru

(geb. 1952) wurde am 13. Juni 2001 mit zwei Schüssen in den Kopf ebenfalls in Nürnberg getötet und anschließend für das Bekennervideo des sog. NSU fotografiert. Der 49-jährige Vater einer Tochter arbeitete nach dem Studium des Maschinenbaus als Metallfacharbeiter und betrieb gemeinsam mit seiner Frau in der Nürnberger Südstadt eine Schneiderei.

Mehmet Turgut

(geb. 1977), fünftes NSU-Mordopfer, starb am 25. Februar 2004 durch drei Kopfschüsse vor einem Dönerimbiss in Rostock. Der 25-Jährige war erst wenige Woche zuvor von Hamburg nach Rostock gezogen und arbeitete als Aushilfe am Tattag im Imbiss seines Freunds.

İsmail Yaşar

(geb. 1955) kam als junger Mann nach Deutschland. Nach Heirat und Geburt der beiden Kinder betrieb er in Nürnberg eine Schneiderei und einen Second-Hand-Laden. Gegenüber der Schule seines Sohns eröffnete er 2002 einen Dönerimbiss. Dort wurde er am 9. Juni 2005 erschossen. Bis zu acht Schüsse wurden auf ihn abgefeuert.

Habil Kılıç

(geb. 1963) zog als junger Mann aus Ankara zu seiner Frau nach München, wo auch die gemeinsame Tochter geboren wird. Hauptberuflich arbeitete er in der Großmarkthalle. Zudem unterstütze er seine Frau im gemeinsamen Obst- und Gemüseladen, in dem er am 29. August 2001 durch zwei Schüsse ermordet wurde.

Halit Yozgat

(geb. 1985) wurde am 6. April 2006 und damit nur zwei Tage nach Kubaşık mit zwei Kopfschüssen in einem von ihm und seinem Vater betriebenen Internetcafé in Kassel getötet. Er wurde in Kassel geboren, ging hier zur Schule und nahm 2003 die deutsche Staatsbürgerschaft an. Er besuchte die Abendschule, um dort das Abitur nachzuholen und danach Informatik zu studieren. Yozgat war das jüngste NSU-Opfer.

GDPR Cookie Consent with Real Cookie Banner